Freitag, 22.02.2019 18:20 Uhr

Quo vadis Rock 'n' Roll ???

Verantwortlicher Autor: Kurt Reimann Wien, 27.12.2018, 15:03 Uhr
Kommentar: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 5787x gelesen
Live Konzert - kein Soundcheck
Live Konzert - kein Soundcheck  Bild: Kurt Reimann

Wien [ENA] Heavy Metal Konzert in einer Rock-Kaschemme in Österreichs Metropole. Ruft der Schlagzeuger dem Gitarristen zu: „Ich hab keinen Bock mehr auf den Kram hier!“ Antwortet der Angesprochene, aufs Publikum, bestehend aus ca. 20 Leuten, blickend: „Noch ein Song, dann ist der Scheiß hier eh zu Ende!“

Ein Szenario, das nachdenklich stimmt, zumal bei diesem Wortwechsel nicht irgendeine No Name Band auf der Bühne steht, sondern eine Hard and Heavy Formation, die in anderen Breitengraden Konzerthallen mit einigen tausend Leuten füllt. Worauf ist diese Stagnation, speziell bei uns, im westlichen Abendland, zurück zu führen? Auf Übersättigung, sprich Überangebot, das auch finanzielle Konsequenzen mit sich zieht, auf neue Medien, auf mangelhafte Complaisance einiger Veranstalter, hinsichtlich Organisation, Promotion etc.? Der Top Floor des Rock Olymps hat mit all dem nichts zu tun, doch bereits eine Etage tiefer und weiter abwärts sowieso, hat man sich mit diesen Kriterien auseinander zu setzen.

Where have all the good times gone ???

Früher hat man ein Konzertplakat an der Litfaßsäule erblickt … aha, The Boys Are Back In Town und man ist zur nächsten Vorverkaufsstelle gegangen, um ein Ticket zu ergattern. Heute erfährt man über Facebook, Insagram, Twitter & Co., wann wo was abgeht. Man kann sich nicht entscheiden, welche, von einer Vielzahl von Bands, man sich anschauen soll, da viele Veranstaltungen parallel stattfinden, oder die favorisierten Events nicht in Kongruenz mit der Geldbörse stehen.

Dank YouTube kein Problem, man schaut sich bereits aufgezeichnete Live Acts halt hier an. Konsequenz für Artists und deren Managements: sie müssen bereits gebuchte, bzw. gemietete Veranstaltungsorte stornieren und in kleinere, oft unkomfortablere, Locations übersiedeln, da das Vorverkaufskontingent nicht erfüllt wird, was wiederum einige Fans davon abhält, die Shows zu besuchen. Es ist ein Teufelskreis.

Klappern gehört zum Handwerk

Es genügt bei Weitem nicht, daß ein Schlagzeug auf der Bühne funktioniert, auch die Werbetrommeln müssen gerührt werden. Mancherorts wird Letzteres, aus welchen Gründen auch immer, geflissentlich ignoriert. Vergleicht man z.B. die Werbestrategien Österreichs und Ungarns miteinander, so klaffen hinsichtlich R ’n’ R Welten zwischen den, seinerzeit verbandelten, K & K Nationen.

Benutzt man die Rolltreppen der Budapester Metro, schaut man sich die Veranstaltungsplakate an den Wänden an und ist, beim Verlassen dieser, darüber informiert, welche Events, in nächster Zeit, wann und wo stattfinden. In Wien wartet eine Vielzahl von Fans auf Einlaß in eine der größten Hallen der Stadt, in der zwei der weltweit renommiertesten Hardrock Bands gastieren. Ein Passant, auf die Menschenmenge schauend, möchte wissen, was denn hier los sei. Seine Reaktion auf erhaltene Info: „Verdammter Mist, hätte ich davon gewußt, wäre ich dabei gewesen!“

Hard ’n’ Heavy West versus Hard ’n’ Heavy Ost

Wie Stiletto, Frontman der gleichnamigen Wiener Hammer-Rockformation, berichtet, weigern sich Österreichs Radio- und Fernsehsender, mit wenigen Ausnahmen, ihre Klientel auf die heimische Rockszene aufmerksam zu machen, sprich, indem man die Kids mal vor die Kamera stellt, bzw. deren Songs durch den Äther jagt. Wie soll sich potentielle Ösi Power etablieren, wenn das Augenmerk ausnahmslos auf AC/DC, Iron Maiden, die Scorpions und die Rolling Stones etc. gerichtet ist? Sorry, doch das ist die Österreichische Mentalität: Nach oben hin: „Küss die Goldene Schallplatte!“ – nach unten hin: „Rock leise!“

Stiletto Rockband - Fotos: Éva Barta-Liener
Ozone Mama - Foto: Éva Barta-Liener

Zum Vergleich Ozone Mama, eine Newcomerband aus Budapest, die, vor drei Jahren noch, mit ihren Performances Betriebsfeste in der Puszta garnieren, in Kneipen spielen und auf Mini Festivals ihr Bestes geben. Dank Publicity durch lokales Funk und Fernsehen haben die Rocker sowohl nationalen, als auch internationalen Status erreicht, sind in den US Charts vertreten, sowie im US- und Kanadischen Fernsehen präsent.

Die Platzhirsche der Szene kommen mehr und mehr in die Jahre, sodass es an der Zeit ist, frisches Rockerblut ins Rock Oberhaus zu fahren, sei es auf dem Stairway to Heaven, oder dem Highway to Hell – ansonsten landet der Rock ’n’ Roll im Nirvana!

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.